
Wer sich intensiv mit Fotografie beschäftigt, begegnet früher oder später der Autorin und Regisseurin Susan Sontag. Sie schrieb in den 70er Jahren mehrere Essays über die Fotografie. Darin stellte sie diese in Beziehung zur Kunst, zum allgemeinen Bewusstsein und zur Realität. Ihre durchaus kritischen Feststellungen sind umso eindrücklicher, als dass heute jeder alles rund um die Uhr mit dem Smartphone festhält. Oft ohne viel über die Handlung und die Wirkung nachzudenken.
Kommunikation
Im Buch von Anna-Lisa Dieter, die sich auch der Person von Susan Sonntag annahm, ist ein typischer Samstag à la Sontag beschrieben. Diesen habe ich in einer Fotogeschichte bildlich umgesetzt. Dabei ging es nicht darum, jede Handlung genau abzubilden, sondern den Charakter von Susan Sontag zu studieren und eine poetische Bildsprache zu finden, die zu ihr passt.
Solche Aufgaben beginne ich häufig mit einer Recherche und der Lasswell-Formel aus der Kommunikation. Wer? Sagt was? In welchem Kanal? Zu wem? Mit welcher Wirkung? Die selben Fragen stelle ich auch meinen Kunden zu Beginn eines Auftrages. Was soll fotografiert werden und zu welchem Zweck?
Mit grosser Freude darf ich mitteilen, dass meine Arbeit ELLE aus über 340 Einsendungen für die PHOTOVILLE4600 selektioniert wurde. Mit der Ausstellung im Haus der Fotografie in Olten sind meine Bilder auch für den Swiss Photograph Award nominiert.
Die hochkarätige Jury in der Kategorie Reportagen/Storytelling bestand aus Anne Morin, Art Historian and Director, diChroma photography, Amélie Schneider, Director of Photography, Die Zeit und Ulli Glantz, Director of Photography, Brand Studio Ringier Advertising.
Die Bilder aller Nominierten sind vom Freitag 23. August bis Sonntag 29. September 2024 an der Kirchgasse 10 in Olten ausgestellt.
Elle war eine zierliche, einfühlsame und interessierte Jugendliche. Wie so viele war sie auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens.
Doch ein grosses Problem setzte ihr zu. Die Erniedrigungen in der Schule hörten einfach nicht auf. Übers Handy und das Internet verbreiteten sich Gerüchte und Beschimpfungen in Windeseile - rund um die Uhr. Löschen war unmöglich!
Die Erwachsenen rieten ihr, diese Personen zu meiden. Sie versicherten ihr, es werde irgendwann besser. Die Schmerzen aber blieben und die Verzweiflung wuchs.
Im August konnte sie nicht mehr.
Im 2015 planten wir zum ersten Mal eine Reise nach Island. Bis dahin besass ich nur eine Pocketkamera. Auf dem kleinen Display spiegelte sich immer das Licht und ich sah kaum, was ich fotografierte. Kurzerhand beschloss ich, für die Reise eine Spiegelreflex zu kaufen. Ahnungslos wie ich war, besuchte ich einen Grundkurs um mich mit den Basics der Kamera vertraut zu machen. Da war es geschehen. Die Mischung aus Technik und Kreativität gefiel mir so sehr, dass ich mich mit sehr viel Literatur, Kursen und schlussendlich mit zwei Lehrgängen aus- und weiterbildete. Heute mache ich mir über die Technik nicht mehr viel Gedanken. Die Handgriffe sitzen und ich kann mit vielen verschiedenen Lichtsituationen umgehen. Über die Jahre entwickelte ich das Auge für schöne Motive. Mir gefällt eine reduzierte Bildsprache und gut abgestimmte Farbkonzepte. So sind wir also 10 Jahre nach meinem fotografischen Start wieder nach Island zurückgekehrt. Das Land wird heute viel mehr bereist, hat aber trotz der Menschenmengen an Attraktivität nichts verloren. Einfach schön, ich würde sofort wieder hinreisen.